Die Verhöhnung der Menschen in Knautnaundorf durch ein Gewinnmaximierungsprojekt 

von Jan Meichsner

Wer in den vergangenen Monaten die Berichterstattung der Leipziger Volkszeitung zur Windenergie verfolgt hat, gewinnt den Eindruck journalistischer Beliebigkeit: Die Haltung wechselt mit dem Wind, eine kritische Einordnung bleibt meist aus. Statt Analyse gibt es Durchreichen von Investorenargumenten, bevorzugt ohne störende Nebensätze. 

So auch im LVZ-Beitrag „Windenergie ist ein Standortvorteil“ vom 10.07.2025. Dort heißt es, der geplante Ausbau im Leipziger Südwesten könne künftig 180.000 Menschen mit Strom versorgen. Was konsequent verschwiegen wird: Das gilt nur dann, wenn der Wind ausreichend, aber nicht zu stark weht. Über notwendige Redundanzkraftwerke, über teure und häufige Redispatch-Maßnahmen und deren Kosten für die Allgemeinheit wird nicht gesprochen. Diese Aspekte passen offenbar nicht ins gewünschte Narrativ. 

Nur wenige Tage zuvor warnte derselbe Autor in einem anderen Beitrag vor der Überlastung des Ortes. Am 30.07.2025 folgt dann der nächste Artikel: „15 neue Windkraftanlagen, das sind die konkreten Pläne des Investors“. Wieder wird die Zahl der angeblich versorgten 180.000 Menschen genannt, wieder ohne jede Einordnung. Stattdessen werden massive Vorbehalte vor Ort als „typisch sächsisch“ abgetan. Das ist nicht nur respektlos, sondern entlarvend. 

Die geplanten Anlagen sollen sich „wie ein Gürtel“ um die kleine Ortschaft Knautnaundorf legen. Ein Gürtel, der für die Anwohner keine Sicherheit bedeutet, sondern eine dauerhafte Belastung: optisch, akustisch, ökologisch. 

Der Geschäftsführer des Investors ZOPF, Andreas Arens, betont sein Interesse an einem „guten Miteinander“ und einer „langfristigen Strategie“. Doch worin diese Strategie konkret besteht, bleibt unklar. Mehr als zwei Drittel der Einwohner von Knautnaundorf lehnen den massiven Ausbau in Ortsnähe ab. Befragt wurden sie dazu nicht. Zustimmung wird offenbar nicht gesucht, sie wird vorausgesetzt oder erkauft. 

Denn während viele Bürger erhebliche Zweifel an der Aussage haben, ZOPF sei „keine Heuschrecke“, fließen großzügige Spenden an Vereine. Das mag gut aussehen, ändert aber nichts am Kern des Problems: Hier geht es um hochsubventionierte Gewinnmaximierung, nicht um Gemeinwohl. Die Zahlungen wirken weniger wie Partnerschaft, sondern eher wie Beruhigungsmittel für den Widerstand. 

Auch das Bild der „sauberen“ Windenergie hält einer ehrlichen Betrachtung nicht stand. Wer die Scope-3-Emissionen berücksichtigt, erkennt schnell: 


– Stahl aus China, Brasilien und Indien 
– Balsaholz aus Ecuador oder Peru (oft durch Regenwaldrodung) 
– Seltene Erden aus China, Kupfer aus Chile 

Die massiven Umweltzerstörungen durch Tagebaue und Rodungen finden nur anderswo statt. Die wohlhabenden Länder halten sich vor der eigenen Haustür sauber und exportieren den Dreck in ärmere Regionen der Welt. Das ist keine Nachhaltigkeit, das ist globale Verlagerung von Umweltschäden. 

Wenn sich ZOPF für „Renaturierung“ engagiert, ist das kein Akt der Großzügigkeit, sondern gesetzliche Pflicht. Und wenn Herr Arens argumentiert, die Region sei aufgrund von Kiesabbau und Industrie „vorbelastet“, ist das blanker Zynismus. Nach dem Motto: Wo es schon schlimm ist, kann man es auch noch schlimmer machen. 

Viele unmittelbar Betroffene wollen das gesetzlich vorgeschriebene „Beteiligungsgeld“ ausdrücklich nicht. Nicht als Preis für die weitere Zerstörung ihrer Umgebung, nicht als Schweigegeld für verlorene Lebensqualität. 

Sehr geehrter Herr Arens, wenn Sie den Menschen hier vorwerfen, sie seien nicht bereit, Ihre Projekte mitzutragen, dann liegt das Problem nicht bei den Sachsen. Vielleicht sollten Gewinnmaximierungsprojekte dort umgesetzt werden, wo sie willkommen sind und nicht dort, wo sie mit Ablehnung, Sorge und Protest beantwortet werden. 

Dass selbst der sächsische Ministerpräsident in der MDR-Sendung „Fakt ist“ am 28.01.2026 von Gewinnmaximierungsobjekten der Investoren sprach, die es zu beenden gilt, sollte zu denken geben. Nicht den Bürgern, sondern denjenigen, die meinen, Akzeptanz lasse sich kaufen. 

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