Repowering oder Neubau? Was in Knautnaundorf wirklich passiert
von Jan Meichsner
Repowering der Windenergieanlagen in unmittelbarer Nähe von Knautnaundorf – Begriffsschwindel oder fehlende Fachkompetenz?
Auf mehreren Informationsveranstaltungen bezüglich des Windenergieausbaus in der Ortsnähe von Knautnaundorf wurde berichtet, dass es sich dabei um Repoweringmaßnahmen handelt.
Was ist Repowering?
Repowering bedeutet, dass die bestehenden älteren, leistungsschwächeren Windenergieanlagen durch leistungsstärkere Anlagen auf gleicher bzw. kleinerer Fläche ersetzt werden.
Aufgrund der höheren Leistung kann dann die Anlagenanzahl reduziert werden.
Wo wird Repowering in Bezug auf Knauntnaundorf erwähnt?
Um das Repowering zu ermöglichen, hatte die Stadt Leipzig die Aufhebung des Bebauungsplans Nr. E-59 „Windpark Knauntnaundorf“ beschlossen (VII-DS-09834), das ursprünglich durch die Gemeinde Kulkwitz verfasste Dokument aufzuheben.
In der Begründung der Satzung zur Aufhebung des Bebauungsplans vom 09.02.2024, die durch das Dezernat Stadtentwicklung und Bau, Stadtplanungsamt, erstellt wurde, ist u. a. beschrieben:
„Der Planungsanlass für die Aufhebung des B-Planes ergibt sich aus der aktuellen Absicht des Windpark-Betreibers, zum standortnahen Ersatz der vier bestehenden Windkraftanlagen durch leistungsfähigere Windkraftanlagen („Repowering“) sowie zur Errichtung einer fünften Anlage im räumlichen Geltungsbereich des aufzuhebenden B-Planes.“
Wie ist nun der Stand?
Auf der Informationsveranstaltung der Fa. Zopf GmbH am 26.06.2025 wurde durch einen Vertreter dieser Firma mitgeteilt, dass es sich bei den derzeitigen Maßnahmen ausschließlich um Neubau und nicht um Repowering handelt.
Auf dem Gebiet nördlich der Autobahn A38, welches durch den bisherigen Bebauungsplan ausgewiesen wurde, befinden sich 5 Windenergieanlagen.
Südlich der Autobahn A38 sind weitere 2 Windenergieanlagen vorhanden.
Somit waren in den letzten über 20 Jahren 7 Windenergieanlagen in der Nähe von Knauntnaundorf installiert.
Derzeit entstehen 6 zusätzliche neue Windenergieanlagen mit einer Höhe von jeweils 234 m (Nabenhöhe 166 m) nördlich der Autobahn A38. Eine weitere Windenergieanlage befindet sich in der Planungs- bzw. in der Genehmigungsphase.
An einen Rückbau der bisherigen Windenergieanlagen ist durch die Fa. Zopf GmbH bis auf eine Anlage nicht gedacht.
Auf dem auf der Informationsveranstaltung ausgelegten ZOPF-Dokument mit der Überschrift: „Was passiert mit den Alt-/Bestandsanlagen?“ ist vermerkt:
- "3 von 7 Bestandanlagen sind im Eigentum von ZOPF
- die Anlage nördlich der Autobahn wird spätestens Mitte 2026 komplett zurückgebaut
- Flachfundamente (Tiefe ca. 3 Meter) werden vollständig entfernt
- Bestandskabel werden für die neuen WKA genutzt
- mit dem Betrieb der Neuanlagen müssen die beiden Anlagen südlich nachts abgeschaltet werden
- sollte die Planung südlich der Autobahn realisiert werden, werden im Zuge des Baus der Neuanlagen auch die Altanlagen zurückgebaut
- kein Zugriff auf Fremdanlagen, aber ersatzloser Rückbau angestrebt“
Was ist denn nun mit dem Inhalt der Begründung zur Aufhebung des Bebauungsplans durch die Stadt Leipzig?
In der Begründung heißt es u. a.:
„Ersatz der vier bestehenden Windkraftanlagen durch leistungsfähigere Windkraftanlagen („Repowering“).“
Gemäß ZOPF und unserem Kenntnisstand gehören denen aber nur 3 Windenergieanlagen! Die in der Begründung zur Aufhebung des Bebauungsplans durch die Stadt Leipzig beschriebenen 4 Windkraftanlagen sind gar nicht im Besitz von ZOPF.
Unter dem Anstrich:
- „Sollte die Planung südlich der Autobahn realisiert werden, werden im Zuge des Baus der Neuanlagen auch die Altanlagen zurückgebaut.“
In dem oben aufgeführten ZOPF-Dokument wird beschrieben, dass weitere Windenergieanlagen südlich der Autobahn A38 geplant sind.
Konkret sind hier 8 zusätzliche Windenergieanlagen westlich von Knautnaundorf durch ZOPF geplant. Und erst wenn diese stehen, dann denkt ZOPF an einen Rückbau!
Was ist denn hier nun wirklich los?
Werden die Kenntnisse aus den Dokumenten der Stadt Leipzig und von ZOPF zusammengefasst, lässt sich folgendes deuten:
- bisher befanden sich 7 Windenergieanlagen in der unmittelbaren Nähe von Knautnaundorf (2 vor und 5 hinter der Autobahn A38)
- derzeit werden nach nicht offiziell bestätigten Kenntnissen (hier wird sich vollständig bedeckt gehalten) 6 Windenergieanlagen (eigene Ermittlung vor Ort) mit einer Höhe von 234 m errichtet
- somit sind dann insgesamt 13 Windenergieanlagen vorhanden, von denen eventuell nur 1 Windenergieanlage zurückgebaut wird,
eventuell deshalb, weil auf der Übersichtskarte zum Ausbau- und Genehmigungsstand von Windenergieanlagen der Stadt Leipzig, Kategorie Genehmigungsstand (08/2025), keine Anlage zum Rückbau vorgesehen ist
- Was ist mit den erwähnten 4 Anlagen, welche nicht ZOPF gehören?
Werden diese Anlagen auch noch ersetzt?
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass
- kein Repowering stattfindet, sondern ein massiver Aus- und somit Zubau des Ortes Knautnaundorf mit Windenergieanlagen erfolgt.
- Falschinformationen bezüglich des Ausbaus durch die an der Zustimmung und Genehmigung Beteiligten bewusst oder aus Unkenntnis verbreitet wurden.
- keine Beteiligung der Bürger durch ZOPF vorgesehen oder gewünscht ist.
Aussage eines Herrn von ZOPF vor Ort auf die Frage nach der Bürgerbeteiligung an der Windenergie / Bürgerwindrad:
„Wenn Sie 7 Millionen Euro übrig haben, dann können Sie sich ja eine eigene Anlage hinstellen.“
- zwei Drittel der erwachsenen Einwohner von Knautnaundorf den Sachverhalt des vollständigen Zubaus ihres Ortes mit Windindustrieanlagen ablehnen oder zumindest sehr kritisch sehen mit über 250 Unterschriften zur Petition der Bürgerinitiative „Lebenswertes Knautnaundorf“ – Kein weiterer Ausbau von Windkraftanlagen in Knautnaundorf!
Fazit
Die 6 Windenergieanlagen, die derzeit ohne jedes Repowering zusätzlich zu den bestehenden Anlagen aufgebaut werden, sind mehr als genug!
Was kommt nun noch alles nach Knautnaundorf, was die bereits vorhandenen Belastungen für Mensch, Umwelt und Natur noch weiter verschlimmert?
Wir haben hier schon eine große Überlastung!
Es geht jedoch aus Sicht der Stadt Leipzig immer noch mehr.
Sind wir hier in Knautnaundorf wirklich die Müllhalde von Leipzig?
Wir fordern:
- Keine weiteren Windenergieanlagen auf den in der Fortschreibung „Erneuerbare Energien“ geplanten Windvorranggebieten 4b und 4c!
- Transparente Informationen und Einbindung sowie Mitsprache der Bürgerinnen und Bürger in die Entscheidungen bezüglich des Ausbaus von Anlagen der erneuerbaren Energien in Ortsnähe!
- Bekanntgabe der in den Genehmigungen der Windenergieanlagen festgelegten Bedingungen, wie z. B. Abschaltung der Anlagen in der Nacht. Nur so ist eine Bewertung der Einhaltung durch die Menschen vor Ort möglich.
- Generelle Einhaltung der 1000-m-Abstandsregel für Windenergieanlagen auch bei Repowering.
- Keine weiteren zusätzlichen Belastungen in und um Knautnaundorf, wie z. B.:
- Müllverbrennungsanlage
- Batteriespeicher
- PV-Freiflächenanlagen
- Anlagen zur Herstellung von Wasserstoff
- Wiederherstellung des Bahnhaltepunkts mit verbindlicher Terminbenennung – zeitnah, also Fertigstellung bis zum Jahr 2027
- Schaffung eines Zugangs zur Naherholung, z. B. Fuß- und Radweg mit Brücke über die Bahnlinie, Bundesstraße 186 und die Weiße Elster zum Zwenkauer See, mit verbindlicher Terminbenennung – zeitnah, also Fertigstellung bis zum Jahr 2028
Euer Jan Meichsner
