Das Unwort des Jahres
von Jan Meichsner
Das Unwort des Jahres 2025 aus meiner Sicht
Als Unwort des Jahres 2025 würde ich das Wort „Spaltung“ küren.
Warum?
Immer wenn sich unterschiedliche Meinungen gegenüberstehen, wird in unserer heutigen Gesellschaft sehr schnell von Spaltung gesprochen, so wie bei uns im Ort geschehen.
In einer Demokratie sollte es meiner Meinung nach möglich sein, dass man unterschiedliche Ansichten zu einer Sache haben darf und trotzdem noch miteinander korrekt umgeht. Am Ende geht es bestimmt nur um ein Thema, zu dem unterschiedliche Ansichten bestehen. Es soll sich auch niemand um den Hals fallen. Nur die Diskussion um die Sache muss fachlich begründet sein. D. h., es muss sich inhaltlich umfassend mit dem Diskussionsthema auseinandergesetzt werden.
Beim Thema mit der Windenergie habe ich versucht, meinen Standpunkt zu erläutern, dass ich diesen immensen Ausbau der Windenergie, bestehend aus 15 Windenergieanlagen mit einer Höhe von 234 m in der unmittelbaren Ortsnähe von Knautnaundorf, kritisch sehe.
Aufgrund meiner persönlichen und beruflichen Auslastung in den Jahren 2023 und 2024 hatte ich mich vorher nicht intensiv mit dem Thema befasst. Außerdem wurde im Ort die Meinung verbreitet, dass sowieso nichts gegen den Ausbau der Windenergie unternommen werden kann, da dieser als „überragendes öffentliches Interesse“ in verschiedenen Gesetzen durch unsere vorherige Bundesregierung festgeschrieben wurde.
Nach dem Gespräch an einem Sonntag bezüglich meiner Meinung zum Windenergieausbau wurde abends im Schaukasten der Stadt Leipzig ein Pamphlet mit der Überschrift „Das Wort zum Sonntag“ mit einem Inhalt ausgehängt, der mir so bisher noch nicht begegnet war. Die gesamten Punkte, die der Ersteller dieses Schreibens aufgeführt hat, treffen voll und ganz auf diesen zu. Eine offene Kommunikation und eine umfassende fachliche Beschäftigung mit dem Thema, welche u. a. bemängelt wurden, fanden im Nachgang zu dem von mir initiierten Gespräch nicht statt.
In einer Postwurfsendung, die am nächsten Tag an alle Haushalte in Knautnaundorf verteilt wurde, wurde vorgegeben, wie über die Problematik des Windenergieausbaus zu denken sei. Die Vorgabe, wie zu denken, zu fühlen und zu handeln ist, finde ich persönlich übergriffig und nicht akzeptabel.
Es wurde in der Folgezeit die Bürgerinitiative „Lebenswertes Knautnaundorf“ gegründet und u. a. Stellungnahmen zum Entwurf der Teilfortschreibung „Erneuerbare Energien“ zum Regionalplan Leipzig-Westsachsen erstellt und an den Regionalverband Leipzig-Westsachsen versendet. In diesen Stellungnahmen bringen viele Knautnaundorferinnen und Knautnaundorfer ihre Sorgen bezüglich einer weiteren Belastung des Ortes Knautnaundorf durch Windindustrieanlagen zum Ausdruck.
Der Ortschaftsrat hat seine Zustimmung zur Fortschreibung erteilt, jedoch wurde auf eine mögliche Überlastung von Knautnaundorf hingewiesen.
Zitat: „Vor dem Hintergrund des Überlastungsschutzes für die Einwohner von Knautnaundorf sollte im Vorranggebiet 4b eine Anlagenreduzierung festgeschrieben werden.“
Durch die Bürgerinitiative wurde ein Petitionsschreiben erstellt und Unterschriften von Einwohnerinnen und Einwohnern von Knautnaundorf gegen den unverhältnismäßigen Zubau von Knautnaundorf mit Windenergieanlagen gesammelt. Dabei gab es viele gute Gespräche. Bei einigen Haushalten wurde aber auch zum Teil aggressiv reagiert. Zum Schluss wurden über 250 Unterschriften in Knautnaundorf gesammelt, was zwei Dritteln der erwachsenen Einwohnerinnen und Einwohner des Ortes entspricht.
Daraufhin wurde von den Befürwortern der Windenergieanlagen von einer Spaltung des Ortes durch die Bürgerinitiative gesprochen. Und genau hier beginnt das Problem. Es wird sich nicht sachlich unterhalten, sondern es wurde die Möglichkeit von Anzeigen wegen persönlicher Bedrohung ins Feld geführt, ohne aufzuführen, worin diese konkret bestehen und die Personen zu benennen, von denen diese Bedrohungen ausgehen.
Bei einer Ortschaftsratssitzung war die Polizei anwesend. Ich hoffe nicht, dass dies wegen der Bedrohung durch die Bürgerinitiative, gegen wen auch immer, von der Obrigkeit als für erforderlich angesehen wurde.
Die Bürgerinitiative ist ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern, welche sich Gedanken um ihren Ort machen und Sorgen haben, dass sich die Umweltbelastungen und Gesundheitsgefährdungen durch die weitere Ansiedlung von Industrieanlagen noch mehr vergrößern.
Knautnaundorf ist nun kein landschaftlich reizvoller oder schöner Ort. Es ist jedoch unzumutbar, dass immer weitere orts- und lebensqualitätsverschlechternde Eingriffe im Ort oder in Ortsnähe geplant und umgesetzt werden.
Von der Bürgerinitiative gehen nun wirklich keine Gefahren aus, außer eventuell die Angst vor Andersdenkenden und deren Meinungen. In einer Demokratie sollte die Meinungsvielfalt jedoch Grundvoraussetzung für einen offenen Austausch sein.
Wer spaltet nun?
Wenn sich Menschen nicht linientreu zu den Vorgaben der demokratisch gewählten Vertreter verhalten, sind diese dann gleich Spalter?
Wir wollten doch mit der Wende dieses von oben vorgegebene einheitliche Denken, was auch damals nicht funktioniert hat, abschaffen.
Nun sind wir wieder so weit und aus meiner Sicht sogar noch etwas weiter.
Also hört bitte auf, von Spaltung des Ortes zu reden, nur weil unterschiedliche Meinungen zu einem Thema, hier dem Windenergieausbau, bestehen.
Lasst uns offen fachlich miteinander diskutieren.
Am Ende geht es um das Zusammenleben in unserem Ort und nicht um das viele Geld, das ein Investor durch die Windenergieanlagen verdienen möchte. Durch die „Entschädigungszahlungen“ an die unmittelbar Betroffenen soll eine Besänftigung und Ruhigstellung erfolgen. Diese Zahlungen werden jedoch durch die Bürgerinnen und Bürger teuer erkauft.
Und übrigens:
Dass der „Strom ja irgendwoher kommen muss“ und dass „die Birne nicht ausgehen darf“, ist völlig korrekt. Dabei wäre es doch wünschenswert, dass eine kontinuierliche und möglichst unterbrechungsfreie Stromversorgung besteht. Oder sollen u. a. ein interessanter Film bzw. ein Fußballspiel mit Unterbrechungen angeschaut werden, bzw. soll die Industrie ihre Produktion immer mal wieder unterbrechen müssen?
Allein mit einem massiven, großsubventionierten Ausbau der Windenergie ist dies jedenfalls nicht zu schaffen. Ein ausgeglichener Mix aus den verschiedenen Energiearten, wovon die Windenergie nur ein Teil ist, wäre an dieser Stelle sinnvoll. Wenn dann mal der Wind zu wenig oder nicht weht und die Sonne nicht scheint, sind die „Birne“ und die Steckdose auch mal aus.
Um den Begriff der Spaltung in Bezug auf unsere vielleicht unterschiedliche Sichtweise auf ein Problem zu entschärfen, möchte ich alle, die Interesse daran haben, zu einem offenen und fairen Austausch einladen. Kommt einfach mit zu den Treffen der Bürgerinitiative „Lebenswertes Knautnaundorf“. Die Termine werden im Schaukasten (Schkorlopper Str. 23 a) rechtzeitig bekanntgegeben bzw. auf unserer Homepage veröffentlicht.
Lasst uns miteinander reden und nicht von außen einer „Spaltung“ bezichtigen.
Euer Jan Meichsner
